Besonders reichhaltig
mit brettchengewebten Bändern ist das Grab des Keltenfürsten von Hochdorf (ca.
520 v Chr) ausgestattet gewesen. In diesem Grab sind ungewöhnlich viele Stofffunde
erhalten geblieben. Die Borten sind, nach den Pigmentfunden zu urteilen, in
rot und blau hergestellt worden. Nach aktuellen Erkenntnissen waren die Kettfäden
der Borten sowohl aus Pflanzenfasern (Hanfbast) als auch aus tierischen Fasern
(feine Grundwolle des Dachsfells) hergestellt, wahrscheinlich wurde für jede
Farbe ein anderes Material genommen.
Es
wird vermutet, daß das unterschiedliche Material das Muster noch stärker hervorheben
sollte. Ungewöhnlich ist auch, daß pro Brettchen nur zwei Kettfäden verwendet
wurden. Die Borten wurden entweder auf Stoffe aufgenäht, oder lose aufgehängt.
Die Brettchengewebe zeigen geometrische Motive, wie gegenläufige Diagonalstrukturen,
Winkelhaken, komplexere Mäandermotive, Zinnenmäanderrauten, Flechtband und bevorzugt
Hakenkreuze, die zumeist von einer Raute begrenzt sind. Ein einziges Fragment
läßt ein kurvolineares Musterteil erkennen. Die Anordnung der Motive ist unterschiedlich
und zeigt nebeneinander angeordnete oder einzelne Zonen mit gereihten Motiven,
die sich in regelmäßiger Abfolge wiederholen und gereihte Einzelmotive ohne
randliche Begrenzung oder Musterteile in lockerer Anordnung. Die Motive lassen
im starken Maße die Übernahme von Mustern aus dem Süden erkennen. In vergleichbarer
Weise wurden diese Muster auch in der zeitgleichen Keramikverzierung übernommen,
wie es u.a. durch Funde auf der Heuneburg belegt ist.
In den griechisch-römischen Gebieten wurden aus späterer Zeit jedoch nur wenige
Funde von Brettchengewebe gemacht. Die bisherigen Funde stammen größtenteils
aus punischen Gräbern bzw. aus den römischen Grenzprovinzen in Germanien und
Gallien. So fand man z.B. aus dem 2. Jh. v.Chr. viereckige Brettchen mit vier Löchern
in Dejbjerg bei Jütland. Die Kantenlänge der Brettchen beträgt 4,75 x 5,5 cm
und sie sind 3 mm dick.
Häufig wurden in der damaligen Zeit die Brettchengewebe direkt mit dem Stoff verwoben.Dadurch hatte man eine sehr feste Webkante. Vereinfacht wurde dieses Verfahren durch den in der damaligen Zeit gebräuchlichen Gewichtswebstuhl, mit dem nicht nur Stoffe in den unterschiedlichsten Bindungen gewebt wurden (z.B. Leinwand und Köperbindung) Er machte auch das Arbeiten mit diesen zwei unterschiedlichen Websystemen erst möglich. Auf diesen Webstühlen wurde von oben nach unten gewebt. Bei dieser Technik ist es möglich alle vier Webkanten des Stoffes mit einer Borte zu versehen.
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